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Indianapolis – Rennstrecke der Legenden

by Adrian Duncan

Eine der in den USA noch heute populärsten Rennstrecken, ist der Indianapolis Motor Speedway im Bundesstaat Indiana. Seine Historie und die des weltberühmten Indianapolis 500 Rennens greift bis in das Gründungsjahr 1908 zurück, als die beiden amerikanischen Unternehmer Carl Fischer und Arthur Newby die Idee zu dieser bedeutenden Rennstrecke hatten.

Das Automobil war auf seinem Vorsprung. Benzin war aufgrund eines großen Ölquellen-Funds in Texas mit einem Schlag sehr günstig und die ersten Pioniere der Automobilhistorie drängte es, ihre Fahrzeuge unter Beweis zu stellen.

Auch die Brüder Louis, Arthur und Gaston Chevrolet fuhren bereits ab 1909 bei den Indy 500 Rennen mit. 1920 gewann Gaston Chevrolet mit seinem Frontenac das 500 Meilen Rennen.

Zusammen mit zwei weiteren Investoren gründeten Fischer und Newby 1909 die Indianapolis Motor Speedway Company und erwarben nordwestlich von Indianapolis, der Hauptstadt von Indiana, ein großes Grundstück auf dem die Rennstrecke gebaut werden sollte. Zwei langgezogene Geraden, zwei kurze Gerade und vier hochgezogene Steilwand-Kurven bildeten die  2,5 Meilen lange Strecke aus Schotter und Teer.

Doch bereits beim ersten Rennen 1909 gab es die ersten Tragödien. Die Rennstrecke wurde während des Rennes weich und es bildeten sich starke Fahrrinnen uns Schlaglöcher. Während der ersten drei Renntage kam es zu 5 Todesfällen, darunter auch zwei Zuschauer.
Daraufhin wurde die gesamte Rennstrecke im Herbst 1909 komplett  mit über drei Millionen Ziegelsteinen ausgelegt. Dies brachte der Rennstrecke den Spitznamen Вrickyard ein. Es rankt sich ein Mythos um die Ziegelsteinstrecke. Man erzählte sich, einer der Ziegelsteine sei aus massivem Gold. Es wird vermutet, dass wirklich einer der Steine vergoldet sei. Jedoch gefunden wurde der Stein noch nicht.

1911 startete das erste offizielle Indy 500 Rennen. Ab diesem Zeitpunkt betrug die offizielle Renndistanz genau 200 Runden. Insgesamt ergab dies 500 Meilen (804,5 Km). Gewinner dieses Rennens war Ray Harroun mit seiner gelb schwarzen Marmon Wasp Mit diesem Rennen kam auch eines der wichtigsten automobilen Erfindungen auf, die fortan auch in Serienfahrzeugen seinen Platz fand. Ray Harroun baute in seinem Rennwagen einen Rückspiegel ein, um die rückwärtig heran nahenden Rennfahrzeuge zu beobachten. Harroun erreichte während seiner absolvierten 500 Meilen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 116,89 km/h.

Dieses Rennen führte in den USA zu einer Motorsport Euphorie und in den nächsten Jahren weitere ähnliche Hochgeschwindigkeits-Strecken gebaut. Die Indy 500 Strecke stellt höchste Anforderungen an Mensch und Maschine. Das durchgehende im Kreis fahren mit Höchstgeschwindigkeiten von heutzutage mit ca. 380 km/h, ist für die Fahrzeuge extrem belastend.

Die Jahre nach 1911 brachten immer mehr neue Fahrer auf die Strecke. Neue Rundenrekorde wurden gefahren und die Fahrzeuge immer schneller. Bekannte Hersteller wie Peugeot, Mercedes, Duesenberg, Miller, Delage und Maserati tauchten in den Siegerlisten auf.

Zwischen 1936 und 1939 verschwindet die Ziegelsteinstrecke immer mehr unter einer Asphaltdecke. Man vermutet noch heute die historische Ziegelstein Strecke unter dem existierenden Asphalt. Lediglich im Start und Ziel Bereich blieb bis heute ein schmaler Streifen mit den damaligen Ziegelsteinen erhalten. Dieser Streifen steht heute unter Denkmalschutz und begründet einen der vielen fr Indianapolis berühmten Bräuche. Nach dem Rennen küssen die Sieger den schmalen Ziegelsteinstreifen. Ein weiterer Brauch des Indianapolis 500 Rennens ist der Schluck Milch für den Sieger. Seit 1936 trinkt der Sieger einen Schluck Milch aus einer Milchflasche. Eine Anspielung auf die anfängliche Nervosität der Fahrer vor dem wohl gefährlichsten Rennen der Welt. Ein weiterer Brauch ist die Verewigung des Siegerportraits im BorgWarner Wander-Pokal.

Auch der sogenannte Indianapolis-Start ist eine Besonderheit dieses Rennens. Gestartet wird fliegend in einer Dreierformation. Sobald die grüne Flagge geweht wird, ist das Rennen freigegeben und die Fahrer dürfen überholen. Ab diesem Moment ist das Rennen für Fahrer und Zuschauer unter höchster Anspannung. Denn das gesamte Feld bewegt sich in engen Gruppen unter Höchstgeschwindigkeiten durch die Kurven. Gerade diese Situation und die hohe Anzahl an Überholmanövern brachte tragischerweise auch die schlimmsten Unfälle in der Renngeschichte mit sich. Nirgendwo sonst mussten so viele Piloten ihr Leben lassen, wie in Indianapolis.

Die Streckenmauer war sehr lange noch aus Beton und katapultierte verunglückte Fahrzeuge regelrecht in die Luft. Inzwischen geben die Mauern nach und es wurden in den Kurven Fangnetze aufgebaut, um die Fahrzeuge abzufangen.

Auch die Startqualifikation für die Indy 500 Rennen ist einzigartig. Vor jedem Rennen finden drei Tage lang Qualifikationsläufe statt. Jeder Fahrer hat drei Qualifikationsrunden, von denen nur die letzte Runde zählt. Am ersten Tag finden die Qualifikationen für die ersten elf Start-Plätze statt, am zweiten Tag die Plätze 12 bis 22 und am dritten Tag die Plätze 23 bis 33. Am 4. Tag besteht die Möglichkeit für weitere Fahrer bessere Zeiten zu fahren, als die der bereits qualifizierten Fahrer. Gelingt dies einem der Fahrer, wird der zuvor platzierte Fahrer gelöscht und der Fahrer mit der neuen Bestzeit ersetzt die Platzierung.

Diese Qualifikation gilt allerdings erst seit den 30er Jahren. Davor wurden die Start-Plätze nach Anmeldungseingang vergeben. Der erste Anmelder durfte vom ersten Startplatz starten, der letzte Anmelder musste aus der letzten Reihe starten.

Zwischen 1950 und 1960 gehörte die Rennstrecke von Indianapolis durch das geänderte FIA Reglement zu den Formel1-Weltmeisterschaft-Rennstrecken. Ansonsten blieb Indianapolis von Europa aus relativ unbeobachtet. Nur wenige europäische Fahrer nahmen an den Rennen teil. Zwischen 1919 und 1988 gingen nur amerikanische Fahrer als Sieger aus den Rennen hervor. Lediglich 1965 und  1966 gewannen mit Jim Clarke und Graham Hill zwei Briten das Indy 500 Rennen.

Ein Meilenstein in der Indianapolis Historie war die Teilnahme eines Cooper Rennboliden von Jack Brabham an dem Indy Rennen. Anfangs belächelt, sollte diese Teilnahme die Historie von Indianapolis grundlegend verändern. Ford übernahm das Konzept des Heckmotors und ab den Anfängen der 70er Jahre fuhren nur noch heckgetriebene Rennboliden die 500 Meilen von Indianapolis.

So legendär wie das Rennen an sich, sind auch die Pace Cars, die dem fliegenden Start voraus fahren. Carl Fischer wollte von Anfang an die Sicherheit des Rennens erhöhen und setzte bereits schon sehr früh das sogenannte Pace Car ein. Diese Fahrzeuge sind seit 1948 ausschließlich von Chevrolet gestellt, darunter ab 1978 Corvettes, Mustangs  und ab 1988 der Camaro SS Convertible. Heute erzielen diese historischen Pace Cars bei Auktionen hohe Erlöse. Aber auch die Pace Cars können keine unfallfreie Historie aufweisen. 1971 geriet das Dodge Challenger Pace Car nach dem Rennstart durch die grüne Flagge außer Kontrolle und fuhr in die Presse-Tribüne. Wie durch ein Wunder kam es nur zu leichten Verletzungen. Mit in dem Pace Car saß der ehemalige Astronaut John Glenn.

Fast 400 000 Zuschauer verfolgen jedes Jahr das große Rennen von Indianapolis. So viele Zuschauer fasst das gesamte Areal von Indianapolis. In den 70er Jahren war der Innenbereich der Rennstrecke ein begehrter Camping Platz, für den die Fans bis zu 3 Tagen vor den Toren warteten, um möglichst Nahe an der Rennstrecke zu sein. Doch die erhöhte Anzahl an Unfällen und die Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen führte dazu, dass der Innenbereich ab den 80er Jahren gesperrt wurde.

Durch die extremen Geschwindigkeiten der Fahrzeuge sind auch die Unfälle meist sehr dramatisch. In den 100 Jahren des Indy 500 Rennens kamen über 60 Menschen ums Leben, darunter auch Mechaniker, Streckenposten und Zuschauer.

Seit den 60er Jahren fahren die Rennboliden mit Ethanol. Leicht entzündlich, ist dieser Kraftstoff im Falle eines Unfalls extrem gefährlich. Viele der verunglückten Fahrzeuge gerieten umgehend in Brand. Der Brennwert Methanols ist wesentlich geringer als der von Benzin, was mehr Boxenstopps mit sich brachte.

In den Anfängen von Indianapolis bauten Hersteller und Fahrer ihre eigenen Rennboliden. Später wurden die Hauptkomponenten wie Chassis und Motor eines Herstellers vorgegeben. Die Rennställe dürfen lediglich diese Komponenten modifizieren und verbessern.

Doch am meisten wird dem Fahrer abverlangt, der sich mit viel Mut bei extrem hohen Geschwindigkeiten durch die enge Rennstrecke manövrieren muss.

Als berühmteste und erfolgreichste Fahrer gelten, A.J. Foyt (Gesamtsieger 1961, 1964, 1967, 1977), Al Unser  (Gesamtsieger 1970, 1971, 1978, 1987)  und Rick Mears  (Gesamtsieger 1979, 1984, 1988, 1991).

Fotos: ©Indianapolis Motor Speedway

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