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Porsche im Paradies

by cctv_editor

Der PCA Hawaii wurde bereits 1959 gegründet und gehört zu den traditionsreichsten Clubs überhaupt. Spannende Geschichten vom anderen Ende der Welt.

Wer schon einmal „Magnum P.I.“ oder „Hawaii Five-0“ gesehen hat, wird ahnen, dass Oahu einen ganz besonderen Leckerbissen für anspruchsvolle Autofahrer bietet. Die Insel stellt mit der Hauptstadt Honolulu und dem legendären Marinestützpunkt Pearl Harbour das wirtschaftliche Zentrum der Inselgruppe Hawaii dar und verbindet vollkommene landschaftliche Schönheit mit dem überschwänglichen amerikanischen Lebensstil – und das alles auf bloß 64 mal 42 Kilometer Ausdehnung, einer Fläche kaum größer als Berlin.

Dem automobilen Connaisseur werden auf engstem Raum bunte Boulevards, traumhafte Küstenstraßen und sogar anspruchsvolle Pässe geboten. Und wenn sich die Finsternis über Oahu senkt, wird die über die Koolau Mountains führende Autobahn H-3 zum Wallfahrtsort für alle Porsche-Fans (und nicht nur für die). Der Interstate offeriert neben engen Kurven und spektakulären Rampen den 1,5 Kilometer langen Tetsuo-Harano-Tunnel, der im Umkreis von 4.000 Kilometern als maßgeblicher Soundcheck für Verbrennungskraftmaschinen gilt. Es ergibt also durchaus Sinn, auf Oahu einen Porsche zu besitzen, auch wenn der Auslauf begrenzt ist.

Von Zuffenhausen aus gesehen liegt Hawaii ziemlich genau am anderen Ende der Welt. Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass gerade hier einer der traditionsreichsten Porsche-Clubs der Welt existiert. Die Aufzeichnungen bestätigen, dass bereits 1952, also zu einem Zeitpunkt, als sich Porsche gerade einmal so richtig in Stuttgart eingerichtet hatte, der erste Porsche auf Oahu registiert wurde.

Gründung des Porsche Clubs Hawaii im Jahr 1958
Im Herbst 1958 – also fast ein Jahr, bevor die Inselgruppe 50. Bundesstaat der USA wurde – fand dann ein Treffen einheimischer Enthusiasten zur Gründung eines Clubs statt. Den Ort der Initialzündung dürfen wir uns ruhig als ähnlich exklusiv vorstellen wie das Anwesen, auf dem Thomas Magnum wohnt. Rufus Longmeyer, stolzer Besitzer eines brandneuen 356 Super Coupé, lud in seine Strandvilla am märchenhaften Kalama Beach. Genauso erlesen waren die Fahrzeuge, mit denen die elf Teilnehmer des ersten Treffens angereist kamen, immerhin waren vier Speedster (davon einer mit Carrera-Maschine) und ein 550 Spyder mit von der Partie.

Natürlich wurde bei dieser Zusammenkunft viel über Benzin- und Stuttgart-Spirit geredet, es ging aber auch um handfeste Themen, etwa die Versorgung mit Fahrzeugen und Ersatzteilen. Zu dieser Zeit gab es zwar einen VW-Händler in Honolulu, der sich um die wenigen Porsche-Fahrer kümmerte. Dessen Bemühungen ließen allerdings durchaus Luft nach oben, so hielt er beispielsweise keine Neuwagen auf Lager. Fahrzeuge bestellte man entweder bei John von Neumann in Los Angeles (der Mann, der auch James Dean mit Porsche versorgte) oder ließ den Handel mit Deutschland über American Express abwickeln.

Von Zuffenhausen nach Honolulu
Oder man erledigte die Sache wie Ted Fukuda, ein Gründungsmitglied des PCA Hawaii. Der auf Oahu stationierte Air-Force-Pilot holte sein silbernes 57er 1600 Super Coupé persönlich im Werk ab, ließ es nach einer Deutschlandtour nach New York einschiffen, steuerte es dann durch den gesamten Kontinent nach Los Angeles, um es wieder per Schiff nach Honolulu bringen zu lassen. Was für eine Tour, romantischer kann man einen Porsche wohl nicht in Besitz nehmen.

Obwohl es anfangs auch Bestrebungen zu einem eigenständigen Club gab, wurden die Hawaiianer 1959 ein offizielles Chapter des Porsche Club of America, der ja bereits 1955 in Washington D. C. gegründet worden war. Die Mitglieder trafen sich aber nicht nur zum damals essenziellen Erfahrungsaustausch in Sachen Technikdetails und Ersatzteilbeschaffung. Es wurden auch regelmäßig Club-Rennen ausgetragen; nach dem Zweiten Weltkrieg aufgelassene Flugplätze boten die perfekte Kulisse dafür. Die schillerndste Gestalt jener Tage dürfte ohne Zweifel die erfolgreiche Hobby-Rennfahrerin Loretta Richards mit ihrem 550 Spyder gewesen sein.

Ein Speedster für 300 Dollar
Von Honolulu sind es 4.000 Kilometer bis Los Angeles, 6.000 Kilometer bis Tokio und 8.000 Kilometer bis Sydney. In einem derart entlegenen Winkel der Welt können natürlich Begebenheiten passieren, die anderswo kaum geschehen würden. So ist vom ehemaligen Club-Präsidenten Joe Dizon die Geschichte überliefert, dass er einen Speedster mit Heckschaden für 300 Dollar kaufte. Für weitere 300 Dollar ließ er das Heck erneuern. Er erzählte damals: „Niemand wollte die Speedster. Sie sagten, du musst verrückt sein, wenn du so ein Ding ohne Wind- und Regenschutz fährst. Aber ich liebte einfach das Design.“ Die Liebe wurde belohnt, einige Jahre später konnte sich der Pastor für den Verkaufswert ein neues Haus leisten.

Aber im Lauf der Jahre erreichte die solide Porsche-Infrastruktur natürlich auch Hawaii. Technik- und Teileversorgung sind längst kein Thema mehr, auch die Club-Rennen kamen aus der Mode. Heute führt die rührige Präsidentin Ellen Liddle den PCA Hawaii, der inzwischen rund 160 Mitglieder umfasst. „Wir versuchen, einmal pro Monat eine Veranstaltung zu organisieren. Unser Programm reicht vom alljährlichen Concours d‘Elégance über Ausflüge zu den anderen Inseln bis zu zahlreichen Charity-Veranstaltungen.”

Das Treffen zum Fototermin besuchte gut ein Dutzend der Mitglieder, und es zeigte sich wieder einmal, dass sich eine permanent angenehme Wetterlage offenbar äußerst positiv auf das Gemüt der Menschen legt. Selten so viele freundliche, tiefenentspannte Menschen auf einem Haufen erlebt. Außerdem ließ sich bei dem Treffen erkennen, dass der PCA Hawaii offenbar mühelos alle Klassengrenzen überwindet. Vom Immobilieninvestor über die Bankmanagerin bis zum Bauarbeiter war alles vertreten. Ellen Liddle: „Wir sind stolz darauf, dass unsere Mitglieder aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten kommen.“

Frank Dao ist so ein Beispiel. Der gebürtige Vietnamese wurde als Kind mit einem der letzten Transporte in die USA geholt. Er hat sich in den Staaten hochgearbeitet, zum Porsche-Fan wurde er durch Tom Cruise. Tom Cruise? „Ja, der fuhr in meinem damaligen Lieblingsfilm ‘Risky Business’ – deutscher Titel: ‘Lockere Geschäfte’ – einen hinreißenden 928 S. Als Zwanzigjähriger dachte ich mir: ‘So was musst du unbedingt einmal haben.’“ Und weil Lebensträume manchmal eben doch in Erfüllung gehen, besitzt der ehemalige Vietnamflüchtling heute einen 86er 928 S mit 61.000 Meilen auf der Uhr in absolut neuwertigem Zustand. Aber auch das Alltagsauto von Frank Dao darf man ganz okay nennen: Es ist ein aktueller 911 Turbo S.

Mike Davis sagt: „Porsche war meine erste Highschool-Liebe.“ Groß Karriere hat er bisher nicht gemacht, trotzdem reichte es irgendwann für einen sehr gebrauchten Boxster. Wie nicht anders zu erwarten, wurde der Alltagssportwagen zur Einstiegsdroge. „Ich wusste schon bald, dass ich etwas Luftgekühltes in der Garage haben muss.“ Heute fährt Mike einen blitzsauberen roten 912 E.

Das gleiche Modell besitzt auch Mike Merino, allerdings mit einer weitaus längeren Historie. „Der Porsche 912 ist seit fast 50 Jahren im Besitz meiner Familie. Mein Vater war ein typischer Waikiki-Boy. Er hatte immer ein Surfbrett am Heck montiert.“ Das Auto wurde über die Jahrzehnte stets gut gepflegt und liebevoll individualisiert, was der Sohn nach der feierlichen Übergabe des weißen Porsche 912 E ebenso beibehalten hat. Er setzt damit gerne die Familientradition eines gelungenen Hawaii-Sonntags fort: Mit dem alten Sportwagen zum Strand fahren und einen guten Tag haben. Nur das Surfbrett lässt er lieber weg – es könnte den Lack beschädigen.

Text: Christian Kornherr
Fotos: © Christian Kornherr, Marc Urbano

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