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Fröhlicher Pickup: Škoda Felicia

by Adrian Duncan

Als Pick-ups noch zu einer seltenen Spezies auf europäischen Straßen gehörten, leistete Škoda Mitte der 90er-Jahre Pionierarbeit und erweiterte die Felicia -Familie um eine praktische Pritschenwagen-Variante. Der Škoda Felicia Fun trat mit knallig gelber Lackierung und einem genialen ,Simply Clever‘-Trick an, der dem Zweisitzer im Handumdrehen zu zwei weiteren Plätzen verhalf. Die 4.016 Exemplare, die bis August 2000 entstanden, erfreuen sich bis heute großer Nachfrage unter Youngtimer-Freunden.

In der 125-jährigen Unternehmensgeschichte von Škoda spielen Autos, die – abseits des reinen Nutzwerts für den privaten oder beruflichen Alltag – mehr den Sinn fürs Schöne und die Freude am Fahren ansprechen, immer wieder eine wesentliche Rolle. Gerade mit dem Modellnamen Felicia ist eine besonders elegante Episode verbunden: So hieß bereits jener legendäre Roadster, der sich zwischen 1959 und 1964 geradezu als Symbol für den kleinen Traumsportwagen in der Historie der Marke verewigte und fast 15.000 Mal glückliche Fahrerinnen und Fahrern sowie deren Passagiere zum Flanieren einlud. Dabei übertraf die Nachfrage nach dem flotten Zweisitzer bei weitem das Angebot, ein Großteil der Produktion des zeitlosen Cabriolets ging in den Export. Einen entsprechenden Nachfolger erhielt die Felicia nie: Die anbrechende Ära der Škoda Fahrzeuge mit Heckmotor schränkte das Spektrum möglicher Karosserievarianten für lange Zeit stark ein. Während neben Stufenheck-Limousinen noch sportlich geschnittene Coupés in Kleinserie entstanden, kamen offene Modelle mit diesem Antriebskonzept über das Prototypen-Stadium nicht hinaus oder blieben das Ergebnis individueller Umbauten.

Größeren gestalterischen Freiraum bot erst wieder die völlig neue Fahrzeugfamilie, die Škoda am 16. September 1987 auf der Maschinenbaumesse in Brünn der Öffentlichkeit vorstellte: Der moderne Favorit mit Fließheckkarosserie setzte auf einen quer installierten Frontmotor und Frontantrieb. Schnell ließen die Designer und Konstrukteure der tschechischen Traditionsmarke weitere Gedankenspiele folgen, darunter auch den Prototypen Škoda 781 Tremp: Der zweisitzige Viertürer besaß über dem Fahrer- und Beifahrerplatz ein festes Dach, das ab der B-Säule durch eine massive Rohrkonstruktion und einen Überrollbügel abgelöst wurde. Das Einzelstück befindet sich heute im Besitz des Škoda Museums.

In die Serienfertigung schafften es schließlich zwei Versionen: das 1990 präsentierte Kombimodell Forman und – ein Jahr später – der zweisitzige Pritschenwagen Pickup. Dass selbst dieses an und für sich unaufgeregte Nutzfahrzeug einen ganz besonderen Charme entwickeln kann, führte der tschechische Autohersteller 1993 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt vor: anhand von zwei einsatzbereiten Konzeptfahrzeugen namens Škoda Fun. Beide basierten auf der Favorit-Baureihe und besaßen ein höhergelegtes Fahrwerk, das die Bodenfreiheit um 60 Millimeter vergrößerte und damit Touren durch leichtes Gelände ermöglichte. Neben einem vorderen Frontschutzbügel und einem massiven Überrollschutz, der in Verbindung mit einem Dachgepäckträger auch den Transport von sperrigen Sportgeräten wie Surfbrettern oder Mountainbikes ermöglichte, sorgte vor allem ein pfiffiger Kniff für Aufsehen: Die hintere Trennwand mit ihrer elektrisch betätigten Rückscheibe ließ sich umklappen und ermöglichte durch einen Hebelmechanismus, dass zwei zusätzliche Sitzplätze unter freiem Himmel entstehen. Dennoch blieb auf der verbliebenen Ladefläche noch immer genügend Raum für Kühlboxen oder auch Gepäckstücke. Optisch fielen die gelb und violett lackierten Ausstellungstücke durch ihr geschmackvolles Dekor und Siebenspeichen-Leichtmetallräder ins Auge.

Wie sehr das Konzept der IAA-Ausstellungsstücke bereits dem späteren Serienmodell ähnelte, zeigte sich im März 1995 auf dem Genfer Automobilsalon: Dort feierte der Škoda Felicia Fun seine Weltpremiere. Das kompromisslos auf Spaß abzielende Freizeitfahrzeug übernahm viele Ideen und Detaillösungen der beiden Concept Cars, kombinierte sie aber mit der umfassend aufgewerteten Technik des ein Jahr zuvor vorgestellten Felicia – für die komplexe Evolution des Vorgängermodells hatte die längst zur Volkswagen Gruppe zählende Marke 1.187 Teile neu entwickelt und dabei neben dem Fahrkomfort auch das Sicherheits- und Verarbeitungsniveau umfassend verbessert.

Die größte Überraschung des Felicia Fun: Die ungewöhnliche Lösung mit der klapp- und verschiebbaren Rückwand, die zwei zusätzliche Notsitze wie aus dem Nichts entstehen ließ, war doch mehr als nur ein skurrile Idee für Show-Cars – die intern ,Party-Trick‘ getaufte, inzwischen weiter entwickelte Mechanik zählte tatsächlich zur Grundausstattung der unkonventionellen Pick-up-Variante. Sie verkürzte im ausgefahrenen Zustand zwar die Tiefe der mit Fichtenholz ausgelegten Ladefläche von 1.370 auf 850 Millimeter, doch dies konnte den praktischen Nutzen des trendigen, stets in kräftigem Gelb lackierten und von einem zusätzlichen Heckspoiler geschmückten Pritschenwagens kaum schmälern. Geradezu schwärmerisch formulierten die Texter in der Werbebroschüre: „Die frische gelbe Farbe des Fahrzeugs steht für Abenteuer, bei denen Sie der Felicia Fun gerne begleitet. Nehmen Sie das strahlend gelbe Lenkrad in die Hand, drehen Sie den Zündschlüssel um und reisen Sie der Sonne und dem Spaß entgegen.“

Unverändert übernommen hat der Škoda Felicia Fun die technischen Eckdaten des PICKUP-Modells wie zum Beispiel den Radstand von 2.450 Millimetern. In der Länge maß er 4.245 Millimeter, in der Breite 1.680 Millimeter und in der Höhe 1.465 Millimeter. Den Kunden standen drei Vierzylinder zur Auswahl: Neben dem Dieselmotor, der aus einem Hubraum von 1896 ccm eine Leistung von 47 kW (64 PS) schöpfte, waren auch zwei Benziner erhältlich – mit 1,3 Liter Hubraum und 50 kW (68 PS) sowie 1.598 ccm und 55 kW (75 PS), letzterer ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 163 km/h. Der kombinierte Verbrauch des 1,6-Liter-Motors pendelte sich nach der seinerzeit gültigen Norm bei 7,3 Litern/100 Kilometer. Die Basisausführung mit 1,3 MPI-Aggregat kostete in der Ausstattungslinie LX 304.900 Tschechische Kronen. Für die 1.035 Kilogramm leichte Version mit 1,6 MPI-Vierzylinder, die 445 Kilogramm zuladen durfte, berechnete Škoda 40.000 Kronen mehr. Für den Dieselmotor kamen weitere 10.000 Kronen hinzu.

Der Felicia Fun wurde auch in Deutschland angeboten. Der hier grundsätzlich mit einem 1,6 MPI-Motor kombinierte Pickup kostete 1999 neu knapp 14.000 Euro. Optional konnten sich Käufer für eine Teillederausstattung entscheiden, die für 639 Euro erhältlich war.

Insgesamt 4.016 Škoda Felicia Fun rollten vom Oktober 1995 bis August 2000 im Werk Vrchlabí vom Band. Heute gelten die auffällig gelben Freizeitfahrzeuge als begehrte Sammlerstücke – sie zählen zu den buntesten Farbtupfern unter den mehr als 1,4 Millionen insgesamt hergestellten Felicia.

Fotos: ©Škoda

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