Home News2021 Zürich Classic Car Award 2021- Zwillingssieg „Best of Show“

Zürich Classic Car Award 2021- Zwillingssieg „Best of Show“

by Kay MacKenneth

Auf dem kleinen, feinen Bürkliplatz direkt am Zürichsee und bei der Schweizer Nationalbank wurden auch in diesem Jahr die schönsten Oldtimer und Youngtimer beim Zürich Classic Car Award gefeiert. Gleich 90 bedeutsame Klassiker – darunter echte Raritäten – waren zusehen. Schließlich entschied sich die Jury erstmals in der Geschichte der Classic Car Concours für einen Schweizer Doppelsieg. Zum Best of Show 2021 wurde ein Geschwisterpaar aus dem Haus Alfa Romeo gekürt.

Auf dem verkehrsfreien Bürkliplatz spielten am 18. August dennoch Automobile die Hauptrolle und begeisterten die Passanten, Auto-Fans und Touristen. Sieben ganz besondere Schweizer Automodelle – zwei Monteverdi, Alvis mit Graber Karosserien und drei Fahrzeuge mit Worblauben-Karosserie – waren dabei. Ein besonders schönes Beispiel Schweizer Autobaukunst ist der Lancia B52 von 1952 mit zwei Türen und vier Fenstern. Er ist eines von nur vier Cabrios, die bei Ramseier Worblaufen aufgebaut wurden. Als Chassis diente ein Lancia Aurelia Chassis.

Die beiden Monteverdi Fahrzeuge belegten die Spitze in  ihrer Klasse „Best of 70th“. Der Monteverdi High Speed 375/4 von 1975, der Besitzer war sogar auf eigener Achse nach Zürich gefahren und wurde von der Jury mit dem zweiten Platz belohnt. Den ersten Platz der Klasse „Best of 70th“ belegte der 1975er Monteverdi High Speed 375 L Mark II. Bei der Preisvergabe saß Paul Berger (Verwalter der Monteverdi Sammlung) auf dem Beifahrersitz und wurde vom fachkundigen Publikum mit Applaus bedacht.

Aber auch unscheinbare Klassiker standen im Rampenlicht des diesjährigen Concours. Zwar wurden sie nicht unbedingt Klassensieger, aber sie repräsentierten in jedem Fall eine ganz besondere Historie. In der Klasse der Vorkriegsfahrzeuge war dies der mit einer Sonderkarosse ausgestattete DKW/IFA F8 von 1938, bzw. eher als Aufbau von 1950. Nach dem Krieg und der Schließung der DDR hatte man sich für den Rennsport ältere Fahrzeuge umgebaut. Darunter vermutlich auch 10 DKW F8 Rennwagen, von denen nur dieser eine erhalten ist. In dreijähriger Restaurationsarbeit wurde dieser so weit wie möglich original aufgebaut.

Echtes James Bond Feeling kam in der Klasse der „Plastic Fantastic Fahrzeuge“ auf. Dort stand der vom kleineren Düsenjet abgeleitete Pulse Litestar BD-J5. Das entsprechende Leichtflugzeug dazu war in dem James Bond Film „Octopussy“ zu sehen.

Wie aus der Matchboxauto Sammlung präsentierte sich der NOVA GT. NOVA hatte sich auf Bausätze des Ford GT40 oder dem Miura auf der Basis des VW Käfers spezialisiert. Dieser NOVA ist allerdings ein kompletter Neuaufbau einer GT Version mit elektrisch abhebendem Dach.

Geburtstagsfeier & Besonderheiten

Natürlich hatte man dieses Jahr auf dem Zürich Classic Car Award auch etwas zu feiern. Der Geburtstag des Jaguar E-Type wurde mit einem Feld von 19 Fahrzeugen auf dem Concours begangen. Ein absolutes Highlight war der original Jaguar E-Type von 1961, der auf dem Genfer Automobilsalon debutierte. Er bekam den Preis „Best in Class“ der Sonderklasse „60 Jahre Jaguar E-Type“. Dies verdrängte ein zweites Modell dieser Klasse auf den Preis „Schönstes Cabriolet of Show“, da sie punktegleich gewertet wurden.

Der vom Publikum gewählte Sonderpreis ging an den Besitzer des Alvis Graber TC 108G Coupé. Es ist eines von nur 800 bei Hermann Graber in Wichtrach von 1926 bis 1969 gebauten Fahrzeugen und ist bis heute in einem sehr beeindruckenden Zustand.

Nicht nur das Äußere und der Zustand der Fahrzeuge wurde durch die Jury bewertet. Auch die Historie fließt in die Wertung mit einbezogen. Dafür zeigte sich das Internet-Portal „The Motor Chain“ zuständig und die Wahl fiel auf einen der nur selten gebauten und hervorragend dokumentierten Mercedes Benz 300SL Coupés mit einer schönen blauen Livré.

Es wären noch einige der gezeigten Fahrzeuge einen eigenen kleinen Preis wert gewesen. Zum Beispiel ein kleine Fiat 500 Jolly oder der Jaguar SS100 für sein hervorragend originales Bordwerkzeug.

Spannender Wettstreit in der Vorkriegsklasse


Ein weiteres bemerkenswertes Fahrzeug ist der Rolls-Royce Phantom I Open Tourer „Maharadscha of Baroda“, der von Barker aufgebaut wurde. Die Karosserie besteht aus einer Titanaluminium-Legierung und ist deswegen auch sehr beständig und schwer aufzupolieren. Ähnliche Legierungen wurden damals im Flugzugbau verwendet. Der Rolls-Royce ist im Originalzustand, alle Features sind voll funktionsfähig, wie z.B. die schwenkbaren Frontscheinwerfer. Das Fahrzeug spielte in den 1980er Jahren auch in dem MTV Videoclip von Billy Idols „White Wedding“ eine große Rolle. Der Besitzer des Rolls Royce Phantom landete auf dem dritten Platz der Klasse, der eigentlich als zweiter Platz zu werten ist. Der Grund: Auf dem ersten Rang der Vorkriegsklasse standen einzigartige, gleichwertig perfekte Fahrzeuge, die in der Klasse der Vorkriegsfahrzeuge im Wettstreit standen. Ein Geschwister-Paar von Alfa Romeo. Zeitgleich im Jahr 1938, auf dem Genfer Automobilsalon, debutierten beide Alfa Romeo 6C 2300. Einer als „Corto“ Kurzversion auf dem Alfa Romeo Stand und die 6C 2300 Lungo Langversion auf dem Stand des Schweizer Karossiers Worblaufen. Weitere Gemeinsamkeit: Beide Fahrzeuge wurden bei Worblaufen als Unikate aufgebaut.

Die Langversion ist aerodynamischer geschnitten, insgesamt gefälliger und präsentiert sich zu 90% original erhalten. Dieses Fahrzeug erhielt zusätzlich die Auszeichnung „Best Unrestored“, war aber immer noch im Rennen mit dem Alfa Romeo 6C 2300 Corto Modell um die Top Auszeichnung ‚Best of Show‘.  
Die Jury diskutierte engagiert und einigte sich schließlich auf einen Doppelsieg des ikonischen Duetts, das sich nun die Siegerauszeichnung ‚Best of Show – Zürich Classic Car Award 2021‘ teilt.

Ein besonderes Ende für einen echten Schweizer Concours: Klein, fein, hochwertig.

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