Home Editor's Picks CitiCar – ein Urvater der Elektromobilität

CitiCar – ein Urvater der Elektromobilität

by Kay MacKenneth

Mitte der 70er Jahre befand sich die USA mitten in einer schweren Ölkrise. Was lag da näher, als alternative Antriebsenergien zu finden? Man suchte nach Fahrzeugen, die sehr wenig oder sogar gar keine fossilen Brennstoffe verbrauchten. Was dabei herauskam? Der zweisitzige CitiCar der Firma Sebring Vanguard in Sebring, Florida/USA. Dieses Elektrofahrzeug war, bis zu dem sensationellen Abverkauf des ersten Tesla Roadsters 2011, das meistverkaufte Elektrofahrzeug in den USA. Insgesamt wurden zwischen 1974 und 1977 2300 Exemplare des CitiCars gebaut.

Bob Beaumont hatte eine Chrysler-Händlervertretung in New York und empfand die großen benzinschluckenden Schlitten als Umweltkiller in den Großstädten. Ihm gefiel die Idee, ein Golfcart-artiges Gefährt für die Stadt zu bauen, das so wenig wie möglich die Umwelt gefährdet. Einfach, kompakt und simpel sollte es sein. Und natürlich mit einem Elektroantrieb.

In Deutschland existieren laut Eintrag im CitiCar Register noch zwei Exemplare. Eines davon haben wir in einem entsprechenden Ambiente in der Motorworld München fotografiert.

Man baute auf die Umwelt. Der kleine City-Flitzer hatte ganze 3,5 PS unter der Haube. Damit erreicht er eine Maximalgeschwindigkeit von ca. 62 km/h. Die Reichweite mit einer Batterieladung liegt laut Herstellerangaben bei rund 60 Kilometer. Die Nennleistung liegt bei 48 Volt und wird durch acht 6-Volt-Hochleistungsbatterien erreicht. Die aneinandergereihten Batterien befinden sich unter der vorderen Sitzbank. Ein 220 Volt Batterie-Ladegerät im Fußraum sorgt für den Ladestrom und kann an jede Haussteckdose angeschlossen werden. Im Fußraum des Fahrers befinden sich zwei Pedale. Ein Gaspedal und ein Bremspedal, durch das auch die Handbremse läuft. Das Gaspedal funktioniert in vier Stufen. In der ersten Stufe rollt das Fahrzeug an und nimmt leichte Fahrt auf. Die zweite Stufe darf man nicht zu früh betätigen, aber sie beginnt den Beschleunigungs-Vorgang, die dritte Stufe nimmt dann Fahrt auf und ist eher der Gang, der für die Innenstadt geeignet ist, während mit der vierten Stufe volle Fahrt aufgenommen werden kann.

Das hier abgebildete Modell ist ein sehr frühes Modell von 1975. Der Rahmen des Kleinwagens ist aus Aluminium geschweißt. Darauf ruht eine Karosserie aus ABS, die extrem bruchsicher ist. Alles in allem wiegt der Commuter, wie er im amerikanischen genannt wird, ganze 575 Kilogramm und hat eine Länge von 2370mm bei einem Radstand von 1640 Millimeter.  Der Innenraum ist sehr einfach gehalten. Eine durchgehende Sitzbank für zwei Personen. Die Armaturenleiste ist übersichtlich. Ein paar einzelne Kippschalter und zwei Anzeigen. Zum einen ein kleiner Tachometer mit Meilen per Stunde und ein Voltmeter, um zu wissen wie weit der Strom reicht. Dieser Voltmeter geht von Voll bis Empty (Leer), allerdings fährt das CitiCar schon bei dreiviertel der Anzeige nicht mehr. Empty wäre nur dann angezeigt, wenn gar keine Batterien mehr im Auto wären. Ein Schalter erweist sich auch als sehr unnötig. Ganz rechts in der Reihe befindet sich ein Schalter für „Defrost“. Nur wurde kein einziges Exemplar mit einer Heizung ausgeliefert.  Gekühlt wird über einen kleinen Ventilator am Elektromotor an der Hinterachse. So effektiv wie „ein Eichhörnchen, das einem in den Nacken haucht“, wie ein amerikanischer Automobilexperte sagte.

Bob Beaumonts Design des CitiCar war zu damaligen Zeiten ehr der Einfachheit geschuldet. Damit die Kosten gering blieben, sollten die Formenteile so einfach wie möglich gehalten werden. Heraus kam eine Mischung aus Schuhkarton und Käseecke. Vorne keilförmig abgeschrägt, hinten flach und steil. Die vordere Fläche ist lediglich von den beiden Scheinwerfern und Blinkern unterbrochen und den mittleren „Nasenlöchern“, die lediglich zur Zufuhr von Frischluft in die Kabine notwendig sind.

Aber die hohen Absatzzahlen von insgesamt rund 4400 Fahrzeugen während der Produktion von drei Generationen des CitiCar, später bei der Firma Commuter Vehicles, bewies den Bedarf nach solchen alternativen Antriebmöglichkeiten für die Innenstadt.

Fotos:©Kay MacKenneth

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